Usbekistan

Bekannte Städte der Seidenstrasse

Auf die Städte Buchara und Samarkand freuten wir uns schon seit der Vorbereitungszeit unserer Reise. In Buchara, 100km nach der turkmenischen Grenze, spülten wir uns erstmals den hartnäckigen Dreck und Sand aus den Haaren. Nach den Wüstentagen genossen wir den Luxus einer Klimaanlage im Hotelzimmer. In Samarkand (drei weitere Radeltage von Buchara entfernt) checkten wir sogar in einem Hotel mit bester Adresse ein und kosteten, wie kaum andere Gäste, das reichhaltige Frühstücksbuffet aus. Eine gute Flasche Rotwein auf der Dachterasse mit Sicht auf das Gur-e-Amir Mausoleom: wir schwelgten wie in 1001 Nacht. Nach zwei Tagen war dann der "Weihnachts-Geschenk"-Spuk vorbei und wir zügelten in eine neue Bleibe. Ein Raum ohne Kühlung, ohne Möbel (ja auch ohne Bett), Dusche/WC über den Hof - wahrlich kein idealer Ort um die erste Magenverstimmung auszukurieren (Marianne: 12h Erbrechen). Der Weg zum WC war in dieser Nacht für mich so weit, dass ich nach den ersten Sprints kurzerhand mit Flipflops ins Bett stieg. Tobias brachte mir dann irgendwoher einen Kübel - gute Idee, nur leider hatte der ein Loch - zu spät gemerkt... Aber eigentlich wollten wir ja von der Schönheit der Seidenstrasse-Städte erzählen.

bild In Buchara gefiel uns die entspannte Stimmung in der kleinen Altstadt voller Medresen, Minarets, hübschen Plätzen, Parks und einem kleinen Bazaar. In die Stadt wurde und wird scheinbar viel Geld investiert, der Charme bleibt aus unserer Sicht erhalten. Die Kalon Moschee mit dem zugehörigen Minaret war das Highlight in Buchara.

In Samarkand gibt es unzählige pompöse Gebäude aus der Zeit Timurs. Aufwändig renoviert (ja manchmal fast etwas zuviel des Guten) und herausgeputzt bietet die Stadt den Touristen alles was man sich wünschen kann (was sich in den Preisen wiederspiegelt). Im Registan, Shah-i-Zinda und Gur-e-Amir Mausoleum konnten wir uns an den verschiedensten Mosaikdekorationen sattsehen.

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Usbekistan: Veloland mit Vorbehalt

Auch nach der turkmenischen Grenze bis Samarkand verbrachten wir kurzweilige Radeltage mit Mary und Pete ( > www.twoonfourwheels.com ). In Samarkand verabschiedeten wir uns vorläufig von ihnen. Sie mussten ihr nächstes Visum in Tashkent organisieren und danach waren wir für die gemeinsame Weiterfahrt nach Dushanbe wegen der Magenverstimmung noch nicht bereit.
In Usbekistan kanalisiert sich die Route für die "vielen" Radreisenden in Richtung Osten. In den Städten trifft sich der ganze Velo-Filz. Ein Nachtessen zu acht oder eine Unterkunft mit 6 Tourenvelos im Hof ist keine Seltenheit. Inzwischen kennt man sich oder trifft auf neue Gesichter, deren Ruf ihnen aber schon vorausgeeilt ist. Jeder Radler hat so seine Eigenheiten, z.B. Viktor "el Loco" aus Spanien, der z.T. mehr als 200km täglich abstrampelt und wohl als einziger das China-Visum schon in der Tasche hat. So wurden wir auch schon mit "Ach so, IHR seid die mit dem Einmannzelt" begrüsst. Wir fühlen uns immer noch wohl in unserem kleinen aber feinen lauschigen Zuhause (sorry, leider haben wir aber keinen Platz für Gäste).

bild Unsere Radeltage wurden aktuell sehr stark durch das Klima bestimmt. In der Mittagshitze war jede Bewegung zu viel. Wir suchten uns jeweils mehr oder weniger erfolgreich ein schattiges Plätzchen und legten uns nach dem Essen zum Schlafen hin (häufig aber auch schweissgetränkt ohne wirklich entspannen zu können). Dafür konnten wir unseren Instantkaffee direkt mit dem Bidon-Wasser lösen, ohne Wasser wärmen zu müssen.

Usbekistan ist auf dem Land ziemlich dicht besiedelt. Grosse Baumwollplantagen beanspruchen Resourcen wie Boden, Wasser, und (Kinder-) Arbeitskraft. Erst im Süden auf dem Weg zur tadschikischen Grenze ging es endlich von der Ebene in die Hügel. Einige spezielle Täler versöhnten uns mit der sonst eher langweiligen Landschaft zu guter Letzt.

Für unsere erste Zeltnacht in Usbekistan fragen wir bei einem Haus einen Herr, ob wir im Garten unser Zelt aufstellen dürfen. Sofort zeigt er uns einen schönen Platz auf der Terrasse, den Waschplatz und verkauft uns Bier, Eier und Brot. Es sei sicher hier, meint er. Spät abends zügelt er sein Bett direkt in die Garteneingangspforte. Wie ein Wachhund schlief der Marshal-Art-Kämpfer dort mit seinem kleinen Jungen.
bild In der nächsten Nacht in einem kleinen Dorf, wo wir sehr herzlich auf dem Dorfplatz umsorgt wurden (ja sogar der Dorfchef kam vorbei und lud Pete und Tobias auf einen Vodka ein), fühlten wir uns sehr sicher. Zwischen unseren Zelten stapelten wir die Gepäckstaschen. Plötzlich wurden wir aber aus dem süssen Schlaf geweckt. Zwei halbwüchsige Jungs hatten sich schon an unser Gepäck gemacht. Zum Glück hatte es Tobias gehört und die beiden mit lautem Fluchen ohne Beute in die Flucht getrieben. Für den Rest der Nacht legten sich Pete und Tobias (auch wie Wachhunde) draussen zum Gepäck. Für einmal machte ich mich in unserem ZWEIER-Zelt richtig breit.
Kurioses

Seit wir zuhause losgefahren sind, gibt es nach jedem Grenzübertritt neue Dinge, die uns staunen lassen. Stirnrunzelnd beobachteten wir die Dame beim Geldwechseln an der Grenze, als sie uns für unsere wenigen turkmenischen Manats ein dickes Bündel usbekische Soms wie eine Zählmaschine auszählte. Die grössten Noten dieser Währung sind 1000er (=ca. 30 Rappen). Nachdem wir in der nächstgrösseren Stadt für unser Wochenbudget gewechselt hatten, verliessen wir den Schwarzmarkt wortwörtlich mit Taschen voller Geld.

Ein komisches Relikt aus der Soviet-Zeit sind die obligatorischen Registrationen für jede Übernachtung, die allenfalls bei der Ausreise vorgewiesen werden müssen. Es hiess, für jede Nacht sollte man von einem Hotel einen offiziellen Registrationsstempel haben, andernfalls könnte es Probleme geben. Da wir nie von Komplikationen gehört hatten, liessen wir uns auch mit einigen Camping-Nächten nicht aus der Ruhe bringen. Bei einer Militärkontrolle wurden dann unsere Registrationen tatsächlich genaustens kontrolliert und feinsäuberlich im dicken Buch handschriftlich notiert. Der Polizist meinte streng "zwei Registrationen fehlen!" - gut gezählt Herr Polizist, hatten wir doch bis dahin fünf Nächte gezeltet. Bevor wir argumentieren mussten, klingelte glücklicherweise sein Handy und während er mit seinem Freund telefonierte, winkte er uns ungeduldig weg.

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